Aktuelles Textprojekt: Ein Roman in "Bruchstücken"

WERKstatt

"Da ist dieser Briefkasten in dem Traum, ist dieser Brief in meiner Hand –'Für Lenny, von Lou' – den ich nicht einwerfen mag. Weil ich mich auf einmal nicht mehr traue, einem ganz bestimmten Jungen aus meiner Parallel­klasse auf diese Weise meine Liebe zu gestehen. Schließlich werfe ich ihn doch ein, finde auf einmal Gefallen an dieser Endgültig­keit angesichts des Verschwindens meines Briefes in dem schmalen Schlitz."

Derzeit arbeite ich an einem Jugendbuch in Form eines Tagebuchs. Darin geht es um ein Mädchen, das in verstörenden Träumen auf seine Vergangenheit zurückgeworfen wird. Immer wieder taucht dabei ein Junge mit einer roten Jacke auf ...

   (Auszüge aus: "Dreamin'. Tagebuch einer Nacht" [AT] )

Wir träumten vielleicht beide denselben Traum in dieser Nacht. Es gibt solche Träume, so groß, so bedrängend, als hätte dir jemand im Schlaf an die Schulter gefasst. Und es gibt solche Nächte, schwärzer als andere, Nächte, die einen vergessen lassen, dass es Sterne gibt da oben und einen Mond, der über all dem Dunkel wacht.

*** 

Und du rührst dich nicht vom Fleck!’ Wer sagte das früher immer, und woher kann die Stimme, von außerhalb meines Zimmers oder aus dem Zimmer selbst? 


 

Ich träumte, wie ich dastand mit einem großen Schild um den Hals, auf dem all das stand, was ich ihm gegenüber nicht zu sagen vermochte. Und noch im ersten Wach­sein erschien mir dies als ein Ausweg.

***

In der Nacht träume ich von einer Intelligenzbestie, die alle schlauen Leute anfällt. Wie sie ausgesehen hat, weiß ich nicht mehr am nächsten Morgen, erinnere mich nur noch an das Erschrecken der Menschen hinter ihren Büchern.

Wie ich früher einmal zu dem Garten zwei Häuser weiter schlich, um dort heimlich Zweige vom Gebüsch zu knicken als Rache dafür, dass mich das ältere Mädchen aus der Nachbar­schaft vor den anderen bloßgestellt hatte. Dieses Mädchen, das aus den Pfützen trank und das so was Wildes im Blick hatte, wenn es kurz aufsah und sich über den Mund fuhr.

***

Meine Anläufe, kilometerweit, meist nur davongetragene Angst vor dem Scheitern.

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